Chinchilla Paradies – Was brauchen die kleinen Nager

Chinchillas (Fachbegriff Chinchillidae) gehören zu den Nagetieren, werden manchmal aber auch als Wollmäuse bezeichnet. Wenn man die Chinchillas auch nur als Haustiere kennt, so haben sie ihren Ursprung in Südamerika. Natürlich gibt es unter den Chinchillas auch wieder viele verschiedene Arten, die sich leicht unterscheiden. Es gibt zum Beispiel Chinchillas mit einem langen oder einem kurzen Schwanz.

In der Regel wiegen die Nager nicht allzu viel und sind mit rund 30 cm auch ziemlich zierlich. Daher lassen sie sich auch gut als Haustiere halten. Sie brauchen nicht so viel Platz wie man anderen Tiere. Dennoch muss darauf geachtet werden, dass die Chinchillas artgerecht gehalten werden. Doch dazu später mehr.

Herkunft der ChinchillasChinchilla artgerechte Haltung

Die Chinchillas kommen ursprünglich aus Südamerika und leben dort zum Teil immer noch in der freien Natur. Hauptsächlich kommen sie in der Bergregion der Anden vor. Damit liegt ihre Heimat in Bolivien, Chile, Peru und Argentinien.

Sie leben auf eine Höhe von ca. 2000-4000 Meter. In dieser Höhe herrschen klimatische Extrembedingungen, an die sich die Tiere aber gut angepasst haben. Sie leben in kleinen Felsspalten oder in Höhlen. Generell ist das Gebiet in dieser Höhe recht karg.

Als Nahrungsmittel dient die Pflanze Puyas. Sie ist ein wichtiger Lieferant für Nährstoffe aber dient auch als Wasserquelle, denn in den Anden herrschen oftmals lange Trockenperioden. So finden die Chinchillas nicht immer genügend Wasser. Durch die Puyas-Pflanze können sie aber überleben.

In den Anden herrschen, wie in jedem Hochgebirge, zwischen Tag- und Nacht extreme Temperaturunterschiede. Auch der Wind ist in dieser Höhe nicht zu vernachlässigen. Daher haben Chinchilla ein selbst fettendes Fell, welches sie von diesen Umweltfaktoren schützt. Wasserabweisend ist es allerdings nicht. Einen Großteil ihrer Zeit verbringen sie mit der Pflege ihres Felles.

Feinde der Chinchillas

Der größte Feind der Wildchinchillas ist der Mensch. Es gibt mittlerweile in den Anden aber Reservate, in denen die Wildchinchillas geschützt sind. Zu den natürlichen Feinden zählt aber auch der Fuchs und die Eule.

Aussehen und Körperbau

Chinchillas können eine Körpergröße von bis zu 30cm erreichen. In der Regel sind sie aber etwas kleiner und wiegen nur rund 350-800 Gramm. Sie haben kleine Vorderbeine, dafür aber kräftige Hinterbeine.

Auch wenn die Chinchillas immer ein wenig kompakt aussehen, so ist ihr Körper schlank. Durch das dichte Fell, das sie in der Natur zum Überleben brauchen, wirken sie dicker als sie in Wirklichkeit sind. Große Ohren sind ebenfalls charakteristisch für die kleinen Nager. In Summe erinnern die Tiere einen an eine Mischung aus Eichhörnchen und Hase, aber auch ihre Verwandtschaft zu den Meerscheinchen sieht man sehr gut.

Unterschieden wird bei den Chinchillas zwischen Langschwanz und Kurzschwanz. Das sind einfach zwei verschiedene Arten.

  • Schwanzlänge: 15-20cm
  • Gewicht: 350-800 Gramm (wobei Weibchen schwerer als die Männchen sind)
  • Haarlänge: 1,5-3,5cm
  • Ohrlänge: 1-6cm
  • Fellfarbe: ursprünglich blaugrau, durch Züchtungen sind auch andere Farben entstanden

Chinchillas als Haustiere geeignet?Lebensweise

Chinchillas sind in der Natur sehr scheue und schreckhafte Tiere. Daher kann man sich auch darüber streiten, ob sie sich als Haustiere eigenen. Chinchillas kommen in der freien Wildbahn immer in Rudeln von bis zu 100 Tieren vor. Untereinander sind sie sehr kommunikativ und sollten daher in Käfigen auch niemals alleine gehalten werden. Sie brauchen mindestens einen Partner mit dem sie sich unterhalten können.

Die Chinchillas sind dämmerungs- und nachtaktive Tiere und leben vorzugsweise in Höhlen oder Felsspalten. Sie sind ausschließlich Pflanzenfresser, aber nicht wählerisch. Sie fressen so gut wie alle verfügbaren Pflanzen. Beim Fressen halten sie in der Regel die Nahrung mit den Vorderpfoten und setzen sich ein wenig aufrecht hin.

Chinchillas kommunizieren untereinander über verschiedene Laute. Auch wir Menschen können über die Art der Geräusche erkennen, wie es den Chinchillas geht. Ein Quietschen steht dabei für „mir geht es gut und ich bin kontaktfreudig“ ein Klappern mit den Zähnen ist aber eher ein Warnsignal und Ausdruck von Angst.

Lebenserwartung

Immer wieder liest man im Internet, dass die Chinchillas bis zu 25 Jahre alt werden können. Das schaffen aber nur die wenigsten. Dies ist ähnlich wie bei uns Menschen, wir können auch 100 Jahre oder älter werden, aber nur die Wenigsten erreichen dieses biblische Alter. Man kann sagen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Chinchillas in Käfighaltung so ca. 10-15 Jahre beträgt. In freier Natur erreichen sie ein Alter von ca. 10 Jahren. Der Grund warum die Chinchillas in freier Wildbahn nicht ganz so lange leben, liegt an den natürlichen Feinden. Diese Fälle werden nämlich auch in der Statistik gezählt.

Welche Faktoren beeinflussen die Lebenserwartung

Wie alt die Chinchillas werden können hängt am meisten von genetischen Faktoren ab. Gibt es angeborene Organfehler oder stammen die Tiere aus schlechten Züchtungen mit Inzucht, so ist die Lebenserwartung deutlich geringer, als bei Tieren aus einer guten Zucht. Neben den genetischen Voraussetzungen spielen natürlich auch die Pflege und Haltung eine Rolle. Tiere die artgerecht gehalten werden, leben in der Regel länger. Wichtig ist auch gutes und ausgewogenes Futter, sodass die Chinchillas nicht krank werden.

Wenn man sich also für Chinchillas als Haustiere entscheidet, so sollte man einplanen, dass die Tiere in der Regel länger als Hunde leben. Vor der Anschaffung sollte man sich daher überlegen, ob man sich für die ganze Lebensdauer sich um so ein Tier kümmern kann.

Fortpflanzung

Normalerweise ist die fruchtbare Periode bei Chinchillas in freier Wildbahn von Mai bis November. Bei Tieren in Gefangenschaft ist dies aber nicht so. In der Regel ist es bei uns in Europa auf der Nordhalbkugel genau anders herum, also von November bis Mai.

Ein Chinchillas Weibchen bringt ca. zwei Mal pro Jahr Nachwuchs zur Welt. Bei jedem Wurf sind es zwischen einem und sechs Tiere. Die Tragezeit bei Chinchillas beträgt zwischen 106 und 120 Tagen. Die Jungtiere sind nach der Geburt voll entwickelt und fangen schon in den ersten Tagen an, neben der Muttermilch, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Schon nach knapp zwei Monaten werden die Jungtiere von der Mutter abgestoßen.

Geschlechtsreif sind Chinchillas nach rund 4-6 Monaten. Bei der Paarung steigt das Männchen von hinten auf das Weibchen. In nur wenigen Sekunden ist der Sex Akt beendet, welcher aber oft mehrmals wiederholt wird. Ab ca. der 6. Woche sieht man, ob das Weibchen trächtig ist. Dort nimmt sie nämlich einiges an Gewicht zu.

Haltung

Wie schon weiter oben bei der Lebensweise erwähnt, lässt sich über die Käfighaltung von Chinchillas streiten. Sie sind nachtaktiv, schreckhaft und haben ein großes Bewegungsbedürfnis. Außerdem sind sie sehr gesellige Tiere und brauchen Gesellschaft. Alle diese Punkte sprechen nicht gerade für eine Käfighaltung.

Daher muss man den Tieren einiges bieten, damit sie sich in Käfigen wohl fühlen. Wichtig ist, dass der Käfig groß genug ist und über mehrere Etagen verfügt. Auch ganz wichtig ist, dass man zwei oder mehr Tiere hält. Ein Chinchilla alleine zu halten ist überhaupt nicht gut. In der Regel können männliche und weibliche Tiere gemeinsam gehalten werden. Wichtig ist aber, dass die Männchen kastriert sind. Nachwuchs gibt es in den Tierheimen schon genug.

Die Chinchillas brauchen sehr viel Platz um sich auszutoben. Wenn es möglich ist sollte man sie gar nicht im Käfig halten, sondern ihnen einen eigenen Raum zur Verfügung stellen. Wichtig ist auch, dass sie Klettern können und es Rückzugsmöglichkeiten gibt. In der Natur leben sie auch in Höhlen oder Felspalten. Denn gerade tagsüber möchten die Tiere schlafen, da sie nachtaktiv sind.

Werden die Chinchillas in Käfigen gehalten, so sollte man sie mindestens einmal am Tag frei in der Wohnung laufen lassen. Empfehlenswert sind die Abendstunden, da sie tagsüber schlafen. Den Möbeln in der Wohnung zuliebe, sollte die Nager aber nicht unbeaufsichtigt sein. Sie nagen sehr schnell an Möbeln oder sonstigen Einrichtungen.

Am besten kauft man sich kein Chinchilla Käfig, da diese viel zu klein sind. Mit einer Vogelvoliere ist man wesentlich besser bedient. Die Voliere lässt sich recht einfach mithilfe von ein paar Brettern, Äste und Schlafhäuschen in ein gutes Chinchilla-Zuhause umbauen.

Viele Tipps rund um die Austattung für Nagetiere erhält man auch unter www.nager-ausstattung.com

Futter

Chinchillas fressen zu ziemliche alle Pflanzen, doch ihnen bekommt nicht alles gut. In ihrer Heimat, im Hochgebirge der Anden, finden sie meist magere Steppen mit ein paar wenigen Gräsern, Büschen, Kakteen und Krautpflanzen. Früchte finden sie dagegen so gut wie nie. Ebenso wenig kommen sie an Wurzeln, da sie nicht die geeigneten Pfoten zum Ausgraben haben.

Daher ist der Verdauungstrakt der Chinchillas auf die Pflanzennahrung ihrer Heimat angepasst und kommen mit gehaltvoller Nahrung nicht gut zurecht. Das Futter für die Nager muss wenig Protein und wenig Fett enthalten.

Gute Chinchilla Nahrung:

  • Wildwiese mit unterschiedlichen Gräsern und Kräutern
  • Heu
  • Getrocknete Kräuter
  • Blätter
  • Speziell hergestellte Pellets oder Samenmischungen für Chinchillas

Was fressen ChinchillasEigentlich wäre für Chinchillas eine Wildwiese mit Gräsern und Kräutern das Beste. In Gras sind Rohfasern enthalten, die den Verdauungstrakt der Tiere in Schwung halten. Außerdem sind dort auch alle wichtigen Nährstoffe mit drin. Man darf den Tieren aber nicht zu viel frisches Gras auf einmal geben.

Eine gute Alternative ist Heu, da es in unseren Breitengraden nicht immer frisches Gras gibt. Heu enthält ebenfalls die wichtigen Rohfasern für den Darm. Heu kann auch in größeren Mengen den Tieren gegeben werden. Auch sollte immer ein Vorrat an Heu in der Heuraufe sein. So können die Chinchillas immer mal wieder etwas fressen.

Obst sollte man seinen Nagern nicht geben, denn dies enthält zu viel Zucker. Es spricht aber nichts dagegen, Obst oder Beeren ab und zu mal als kleines Leckerchen zu verwenden.

Chinchilla geeignete Haustiere?

Auch wenn Chinchillas wegen ihres Spieltriebes und ihrem weichen Fell sehr beliebt sind, so muss man wissen, dass sie sehr anspruchsvolle Tiere sind. Wie schon oben bei der Lebensweise beschrieben, brauchen sie sehr viel Platz, können nicht alleine gehalten werden und sind nachtaktiv. Das alles muss einem klar sein, bevor man sich Chinchillas als Haustiere anschafft. Auch die Lebenserwartung von 10-15 Jahre sollte man im Blick haben.

Wenn man die Nager wegen ihrem weichem und kuscheligem Fell anschafft, ist es keine gute Anschaffung. Die Chinchillas wollen nämlich nicht gerne kuscheln und auch nicht gerne getragen werden. Sie sind daher für Kinder eher ungeeignet.

Chinchillas sind toll für Berufstätige. Wenn tagsüber niemand im Haus ist, ist das optimal. So können sich die nachtaktiven Tiere ausruhen und werden dann pünktlich zum Feierabend wach. Es ist sehr interessant die Tiere zu beobachten, da sie sehr aktiv sind.

Wo Chinchillas kaufen?

Angebote für Chinchillas gibt es genügend, sie sind alles andere als selten. Man findet in den örtlichen Kleinanzeigen oftmals einige Tiere von Hobbyzüchtern. Man sollte allerdings aufpassen, dass sie aus einer guten Zucht und keiner Inzucht kommen. Tiere aus einer Inzucht leben oftmals nicht so lange, da sie genetische Fehler oder Organfehlbildungen haben.

Eine weitere Möglichkeit Chinchillas zu bekommen sind Tierheime. Manche Besitzer geben ihre Tiere nach paar wenigen Jahren im Tierheim ab. Bei einer Lebenserwartung von bis zu 20 Jahren bei einer guten Pflege, so kann man auch an diesen Tieren noch lange eine Freude haben.

Nicht zuletzt gibt es natürlich auch in Zoofachhandlungen Chinchillas zu kaufen. Dort ist vermutlich die Chance am geringsten an Tiere zu kommen, die nicht aus einer guten Zucht stammen. Dafür sind sie dort aber auch am teuersten. In der Zoohandlung werden schnell mal 100€ pro Tier fällig. Gute Züchter verlangen dies aber auch. Nach oben sind wie immer keine Grenzen gesetzt. Bei Preisen unter 50€ pro Tier sollte man skeptisch werden.